Ausschalten und genießen: Smartphone-Verbot auf Konzerten

Jetzt mal Hand aufs Herz: Hast du schon einmal beim Live-Auftritt eines Künstlers mit deinem Smartphone gefilmt oder fotografiert? Wenn ja, dann bist du damit absolut nicht alleine. Auf vielen Konzerten ist inzwischen ein ganzes Meer aus Displays zu sehen. Das nervt nicht nur einen großen Teil der Besucher, sondern auch die Musiker. Einige haben inzwischen ein strenges Smartphone-Verbot auf ihren Events ausgesprochen. Übertrieben oder notwendig?

 

Es ist ein andauerndes Für und Wider

Zu viele Smartphones versperren dir die Sicht auf die Bühne und sorgen sogar dafür, dass der Künstler in seiner Interaktion mit dem Publikum behindert wird. Wer auf sein Smartphone konzertiert ist, der ist abgelenkt und nicht vollkommen anwesend. Für den Künstler ist es jedoch wichtig, die Stimmung des Publikums richtig zu deuten, besonders dann, wenn er keine Setlist nutzt und auf die Situation eingehen möchte. Darüber hinaus sind die Aufnahmen oft verwackelt und die Musik klingt scheppernd.

Allerdings sind die Videos in der Regel auch nicht zum Wiederanschauen gemacht, sondern für eine kurzlebige Story auf Instagram oder Snapchat. Wir wollen unseren Freunden und Followern zeigen, was wir gerade erleben – frei nach dem Motto: Pics or it didn’t happen. Wir sind unseren Idolen hier so nah wie sonst nie und das möchten wir einfach festhalten. Von manchen Künstlern, besonders von bisher unbekannten, ist genau das gewünscht. So bekommen sie kostenlose Promotion, eine größere Reichweite und können zeigen, wie mitreißend ihre Shows sind.

 

Aber sollte es deshalb wirklich Verbote geben?

Zugegeben: Smartphone-Verbote wirken etwas radikal, aber andererseits funktioniert es eher selten, wenn Künstler freundlich darum bitten, die Handys nun wegzustecken. Deshalb gibt es zum Beispiel bei Musik-Größe Bob Dylan strenge Kontrollen, die ganz genau darauf achten, dass sich alle an das Verbot halten. Manche Künstler unterbrechen sogar ihre Shows oder lassen Gäste rauswerfen. Eine noch wirkungsvollere Lösung bietet das Unternehmen Yondr an: Sie stellen den Veranstaltern kleine Taschen zur Verfügung, in denen die Smartphones mit einer speziellen Technik verschlossen werden. Nur außerhalb des Konzertgeländes können die Taschen wieder an besonderen Unlocking-Stationen geöffnet werden.

 

Den Moment festhalten oder ihn leben?

Ideal wäre es, wenn wir es gar nicht erst zu solchen Verboten kommenlassen würden. Denn trotz der vielseitigen Argumente sollte sich jeder Gast eines Live-Events fragen, ob er einen Moment nur festhalten oder ihn (er)leben möchte. Konzerte sollen uns bewegen und in Bewegung bringen, manchmal lassen sie uns sogar alles vergessen, bringen uns zum Jubeln, Lachen und Weinen. All das lässt sich nicht gänzlich von einer Kamera einfangen und der Griff zum Smartphone reißt uns stattdessen aus dem Zauber des Moments.

 

Quellen:
https://bit.ly/2mZnxWW
https://bit.ly/2LXoLJk

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